LLMs im Unternehmen: Open Source vs. Closed Source
Viele IT-Teams stehen vor derselben Entscheidung: Open-Source-LLM selbst betreiben oder ein Closed-Source-Modell per API nutzen? Es geht nicht nur um Genauigkeit – sondern um Datenhoheit, Kosten, Time-to-Value und Governance.
Dieser Leitfaden liefert einen klaren Entscheidungsrahmen, Architektur-Patterns und TCO-Hebel – speziell für Unternehmen, die Verantwortung, Sicherheit und Skalierung im Blick haben.
Am Ende wissen Sie, wann ein eigenes LLM Hosting sinnvoll ist, wie Llama im Unternehmen (llama unternehmen) eingeordnet wird und welche Schritte vom PoC in die Produktion führen.
TL;DR
- Open-Source-LLMs lohnen sich bei hoher Datenhoheit, starker Anpassung und planbarer Last; Closed-Source überzeugt mit State-of-the-Art, Tempo und geringer Betriebslast.
- Starten Sie mit RAG und Evaluation; Fine-Tuning erst, wenn Mehrwert und Datenlage klar sind.
- Architektur: Modell-Gateway, Policy-Layer, Observability, Sicherheitsfilter – vendor-neutral für Hybrid- und Multi-Model.
- TCO wird von Kontextlänge, Auslastung, Quantisierung/Batching und SLOs getrieben – nicht nur vom Modellpreis.
- Llama im Unternehmen ist ein robuster Open-Weight-Kandidat; Lizenz prüfen, MLOps/Guardrails standardisieren.
- Ein hybrider Ansatz reduziert Risiko: sensible Workloads on-prem/VPC, explorative Use Cases per API.
Was bedeutet „ein eigenes LLM betreiben“? (Definition)
Ein eigenes LLM betreiben (eigenes llm betreiben) heißt: Sie verantworten Inferenzumgebung, Skalierung, Sicherheit, Monitoring und Updates des Modells – on‑premises oder in Ihrer Cloud (VPC). Dazu gehören:
- LLM Hosting (Inference‑Server wie vLLM/TGI/TensorRT‑LLM, GPUs/Instanzen, Autoscaling)
- Governance (Zugriff, Audit, Prompt/Response‑Logging mit Redaction, PII‑Kontrollen)
- Observability (Token‑Kosten, Latenz, Fehlerraten, Halluzinations-/Safety‑Metriken)
- Release‑Prozess (Modell-/Prompt‑Versionierung, Canary, Rollback)
- Sicherheit (Netzwerk‑Isolation, Secrets, Supply‑Chain)
Praxis-Tipp: Trennen Sie „Modellbetrieb“ (SRE/MLOps) und „Erlebnisqualität“ (Prompting, Tools, Evaluations). Das beschleunigt Releases und erhöht Zuverlässigkeit.
Open-Source-LLM vs. Closed-Source: Entscheidungsrahmen
- Datenhoheit und Compliance
- Open Source: Volle Kontrolle über Datenpfade und Residency.
- Closed Source: Abhängig von Provider-Regionen und Zertifizierungen.
- Anpassbarkeit
- Open Source: Tiefe Kontrolle via Fine‑Tuning, LoRA, Tokenizer, Systemprompts.
- Closed Source: Starke Zero-/Few‑Shot‑Leistung, eingeschränkte Low‑Level‑Kontrolle.
- Performance und Innovationsgeschwindigkeit
- Open Source: Rasche Community‑Fortschritte, aber kuratieren/testen Sie aktiv.
- Closed Source: Führende Qualität oft „out of the box“, Updates durch Provider.
- Kosten- und Betriebsmodell
- Open Source: CapEx/OpEx für GPUs, Engineering-Aufwand; günstig bei hoher Auslastung.
- Closed Source: Pay‑per‑Use, minimaler Betrieb; bei Dauerlast teurer.
- Risiko und Lock‑in
- Open Source: Geringerer Vendor Lock‑in, höherer Betriebsaufwand.
- Closed Source: Niedriger Betriebsaufwand, höheres Plattform‑Lock‑in.
- Time‑to‑Value
- Open Source: Setup nötig; dafür tiefe Integration möglich.
- Closed Source: Sofort nutzbar; schnelle Experimente.
Typische Szenarien
- Strenge Datenresidenz + Domain‑Know‑how: Open‑Source‑LLM selbst hosten.
- Schnelles Prototyping, wechselnde Tasks: Closed‑Source‑API.
- Gemischte Anforderungen: Hybride Architektur mit Modell‑Router.
Vergleich auf einen Blick
| Kriterium | Open-Source-LLM (selbst betreiben) | Closed-Source-Modell (API) |
|---|---|---|
| Datenhoheit | Maximal, volle Kontrolle | Abhängig vom Provider |
| Anpassung | Tief (Fine‑Tuning, Tokenizer, Quantisierung) | Primär Prompt-/Tooling‑Ebene |
| Time‑to‑Value | Mittel (Setup nötig) | Hoch (sofort) |
| TCO bei hoher Last | Günstig planbar bei guter Auslastung | Kann steigen, jedoch ohne Betriebsaufwand |
| Latenz/Netz | Lokal/VPC steuerbar | Internet/VPC‑Peering abhängig |
| Lock‑in | Gering (Offene Gewichte/Standards) | Höher (API/Ökosystem) |
| Sicherheit | Volle Kontrolle, eigener Hardening‑Pfad | Provider‑Zertifizierungen, geteilte Verantwortung |
| Support | Community/Partner | Vendor‑SLA, Enterprise‑Support |
Architektur-Patterns für Unternehmen
- Modell-Gateway als zentrale Schicht
- Einheitliche API (z. B. OpenAI‑kompatibel), AuthN/Z, Rate Limiting, Prompt‑Policies.
- Routing/Ensembling: Task‑abhängige Zuweisung an Open‑ oder Closed‑Source‑Modelle.
- RAG‑First
- Domänenwissen per Retrieval statt frühzeitiges Fine‑Tuning.
- Governance: Quellenzitierung, Konfidenz‑Scores, Caching.
- Guardrails und Safety
- Eingangs-/Ausgangsfilter, PII‑Redaction, Tool‑Use‑Kontrollen, Funktion‑Whitelists.
- Observability by design
- Telemetrie (Token, Kosten, Latenz), Qualitäts‑Evals, Prompt-/Model‑Versionen.
- DevEx
- Prompt‑Kataloge, Test‑Harness, Sandbox/Canary, IaC für reproduzierbare Stacks.
Praxis-Tipp: Standardisieren Sie auf ein „LLM‑SDK“ im Unternehmen, das Gateway, Policies, Logging und Evaluations kapselt. So bleibt der App‑Code modellneutral.
Hosting-Optionen für Open-Source-Modelle
- On‑Premises GPU‑Cluster: Max. Datenhoheit, Planungsaufwand für Kapazität und Kühlung.
- Cloud‑VPC mit GPUs: Elastisch, IAAC‑freundlich; achten Sie auf Spot/Reserved‑Mix.
- Kubernetes + Inference‑Server (vLLM/TGI): Batching, KV‑Cache, Token‑Throughput optimieren.
- Managed LLM Hosting: Anbieter übernehmen Betrieb, Sie behalten VPC/Peering‑Kontrolle.
Kosten und TCO realistisch planen
TCO wird von Architektur- und Betriebsparametern geprägt, nicht nur vom Modell:
- Kontextlänge: Längere Prompts/Antworten erhöhen Rechenzeit deutlich.
- Quantisierung und Batching: Weniger Speicher, mehr Durchsatz – Qualitäts-Trade‑offs messen.
- Auslastung: Hohe GPU‑Idle‑Zeiten verteuern Eigenbetrieb; Autoscaling/Pooling nutzen.
- SLOs: Strenge Latenz/Verfügbarkeit erhöht Redundanzkosten.
- RAG‑Qualität: Gute Retrieval‑Signale reduzieren Halluzinationen und Nacharbeit.
- FinOps‑Mechaniken: Cost‑Budgets, Alerts, Tagging, Kosten je Team/Anwendung.
Beispielhafte Kostentreiber (vereinfachte Sicht):
- Fixe Basiskosten: GPUs/Instanzen, Storage, Netzwerk.
- Variable Kosten: Token/Sequenzen, Ein-/Ausgabe, Egress, Embeddings.
- Betrieb: Observability, Security, Patching, Evaluations.
Praxis-Tipp: Setzen Sie „Cost‑per‑Useful‑Answer“ als Leitmetrik. Sie verbindet Qualität, Latenz und Kosten besser als reine Tokenpreise.
Sicherheit, Compliance und Governance
- Datenresidenz & Audit: Protokollieren Sie Prompt/Response mit Redaction; halten Sie Audit‑Trails revisionssicher.
- Zugriff & Rollen: Feingranulare Policies für Modelle, Tools, Datenräume.
- Content Safety: Jailbreak‑Schutz, DLP‑Regeln, Klassifizierer/Konfidenz‑Schwellen.
- Evaluations & Freigabe: Red‑Teaming, Benchmarks, Bias/Compliance‑Checks vor Rollout.
- Lizenzen: „Open Source“ vs. „Open Weight“ unterscheiden (z. B. Llama hat eine Community‑Lizenz, nicht OSI‑Open‑Source). Nutzungsbedingungen prüfen.
- Third‑Party‑Risiken: Modelle, Weights, Container, Pakete auf Herkunft/Integrität prüfen (SBOM, Signaturen).
Best Practices und typische Fehler
Best Practices
- Modellneutral bauen: Gateway, SDK, Evaluations trennen Modellwahl von Apps.
- RAG vor Fine‑Tuning: Erst Retrieval/Datenqualität heben, dann zielgerichtet tunen.
- Eval‑First: Automatisierte Akzeptanztests je Use Case (Qualität, Kosten, Latenz, Sicherheit).
- Progressive Delivery: Canary, Shadow, A/B; Rollbacks vorbereiten.
- Datenlebenszyklus: PII‑Redaktion, Retention‑Policies, Löschkonzepte.
Typische Fehler
- Zu frühe Modell‑Fixierung statt patternbasiertem Design.
- Unterschätzte Betriebsaufwände (Observability, Guardrails, Incident‑Handling).
- Kontextinflation ohne Nutzen (lange Prompts, fehlende Kompression).
- Fehlende Ownership für Prompts/Policies als „Produkt“.
Schritt-für-Schritt: Vom PoC in die Produktion
- Problem und Erfolgsmessung definieren
- Business‑Ziel, Metriken (Qualität, Latenz, Kosten), Guardrails.
- Datenbasis vorbereiten
- Wissensquellen kuratieren, Chunking/Indexierung, PII‑Strategie.
- RAG‑Baseline aufsetzen
- Retrievers testen, Relevanz‑Evals, Antwortstruktur standardisieren.
- Modell‑Shortlist und Evaluation
- 2–3 Open‑Source‑Kandidaten + 1–2 Closed‑Source per Harness vergleichen.
- Architektur härten
- Gateway, Policies, Observability, Secrets, IaC, SLIs/SLOs.
- Security & Compliance
- Threat‑Model, Red‑Teaming, Audit‑Trails, Lizenzcheck.
- Pilotierung
- Canary/Shadow, Feedback‑Loops, Kosten‑Alerts.
- Skalierung
- Autoscaling, Caching, Batch/Quantisierung, kontinuierliche Evals.
Praxis-Tipp: Halten Sie Prompt‑ und Retrieval‑Artefakte versioniert (z. B. Git + Feature‑Flags). So korrelieren Sie Ausfälle mit Änderungen.
Wann Llama im Unternehmen?
Llama ist ein starker Open‑Weight‑Kandidat für Unternehmens‑Workloads: breites Ökosystem, gute Inferenz‑Performance und breite Tool‑Unterstützung. Prüfen Sie die Lizenzbedingungen für Ihren Anwendungsfall und kombinieren Sie Llama mit RAG, Guardrails und sauberem Monitoring.
Typische Gründe für Llama:
- Datenhoheit und Anpassbarkeit (LoRA/QLoRA, kontrollierte Umgebung).
- Vorhersagbare Kosten bei stabiler Last.
- Möglichkeit, sensible Workloads on‑prem/VPC abzuwickeln.
- Breite Kompatibilität mit Inference‑Servern für effizientes LLM Hosting.
Häufige Fragen (FAQ)
Wann ist ein Open-Source-LLM die bessere Wahl?
Wenn Datenresidenz, Anpassbarkeit und Vorhersagbarkeit der Kosten im Vordergrund stehen oder Sie feste, hohe Grundlast haben. Voraussetzung sind MLOps‑Reife und Kapazität für Betrieb, Sicherheit und Evaluations.
Wann sollte ich ein Closed-Source-Modell per API wählen?
Bei schnell wechselnden Anforderungen, wenn Sie modernste Qualität sofort benötigen und Betrieb minimieren möchten. Achten Sie auf Regionen, Datenflüsse und mögliche Lock‑ins.
Ist Llama wirklich „Open Source“?
Llama ist „Open Weight“ mit einer Community‑Lizenz, nicht OSI‑Open‑Source. Für viele Unternehmensfälle ist die Lizenz ausreichend, doch prüfen Sie Ihre Nutzungsbedingungen sorgfältig.
Reicht RAG oder brauche ich Fine-Tuning?
Starten Sie mit RAG. Fine‑Tuning lohnt sich, wenn wiederkehrende, domänenspezifische Fehler bleiben oder Sie stilistische/strukturelle Konsistenz benötigen. Evaluieren Sie den Mehrwert messbar.
On‑Prem vs. Cloud für eigenes LLM Hosting?
On‑Prem bietet maximale Kontrolle, erfordert jedoch Kapazitätsplanung. Cloud‑VPC ist elastisch und beschleunigt Time‑to‑Value. Häufig ist ein Hybridansatz optimal.
Wie dimensioniere ich GPUs für Inferenz?
Von SLOs und Kontextlängen rückwärts planen: gewünschte Latenz, parallele Anfragen, Token‑Raten, Quantisierung/Batching. Pilot messen, dann Kapazität mit Puffer bereitstellen.
Wie reduziere ich Halluzinationen?
Gutes Retrieval (RAG), klare Antwortformate, Tool‑Use für Fakten, und Evaluations mit realen Queries. Setzen Sie Konfidenz‑Schwellen und Quellen‑Zitierung ein.
Wie messe ich Qualität objektiv?
Ein Eval‑Harness mit repräsentativen Prompts, Akzeptanzkriterien pro Task, und Regressionstests bei jedem Prompt‑/Modell‑Update. Ergänzen Sie menschliche Spot‑Checks.
Welche Governance ist Pflicht?
Rollenbasierter Zugriff, Prompt/Response‑Logging mit Redaction, Audit‑Trails, Lizenzmanagement, Sicherheitsfilter und ein formaler Freigabeprozess für Modell‑Rollouts.
Wie vermeide ich Vendor Lock‑in?
Modell‑Gateway mit standardisierter API, Prompt‑/Policy‑Abstraktionen, portable Vektorspeicher und Eval‑Pipelines. So wechseln Sie Modelle ohne Code‑Brüche.
Fazit
Die Entscheidung „Open Source vs. Closed Source“ ist weniger eine Glaubensfrage als eine Architektur‑ und Governance‑Entscheidung. Wer Datenhoheit und Anpassbarkeit braucht, fährt mit eigenem LLM Hosting oft besser; wer maximale Geschwindigkeit sucht, profitiert von API‑Modellen. In der Praxis setzt sich ein hybrider Ansatz durch – modellneutral, evaluiert und bewirtschaftet.
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