Business Central und Dynamics NAV On-Premises: Was Oktober 2026 für Bestandskunden ändert

6 Min. LesezeitKIlian

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Wer Dynamics NAV oder Business Central nicht in der Cloud, sondern auf eigener Hardware betreibt, bekommt zum Oktober 2026 gleich mehrere Preis- und Vertriebsänderungen gleichzeitig vorgesetzt – keine davon ist einzeln dramatisch, in der Summe verschieben sie aber die Rechnung, mit der viele Betriebe ihre On-Premises-Lizenz bisher verteidigt haben. Dieser Beitrag ordnet ein, was zum 1. Oktober konkret geändert hat, was Microsoft selbst zur längerfristigen Perspektive für NAV sagt und worauf es bei der eigenen Vertragsprüfung ankommt.

Was zum Oktober 2026 konkret teurer wird

Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Microsoft-Partner steigen zum 1. Oktober 2026 die Listenpreise für Business-Central- und Dynamics-NAV-On-Premises-Subscriptions um rund 10 Prozent. Laut einer Aufstellung des Microsoft-Partners AGOLUTION (öffnet in neuem Tab) steigt beispielsweise der US-Dollar-Listenpreis für die Business Central Premium Named User SAL von 110 auf 121 US-Dollar, die Essentials-Lizenz von 80 auf 88 US-Dollar. Für den europäischen Markt relativiert sich der Aufschlag allerdings durch eine zweite, unabhängige Anpassung: AGOLUTION zufolge senkt Microsoft den Umrechnungsfaktor von US-Dollar in Euro von 0,94 auf 0,87, was die Preiserhöhung für Kunden im Euroraum weitgehend auffängt.

Getrennt davon steigt laut demselben Bericht und einer Einordnung des deutschen Microsoft-Partners N4 (öffnet in neuem Tab) ab dem 6. Oktober 2026 die jährliche Gebühr für den Enhancement Plan – den Wartungsvertrag, der Zugriff auf Produktupdates, Hotfixes und steuerlich-rechtliche Aktualisierungen sichert – von 20 auf 21 Prozent des Listenpreises. Der neue Satz greift dabei nicht rückwirkend, sondern laut N4 erst „beim nächsten Renewal ab diesem Stichtag". Diese Schrittfolge ist kein Einzelfall: Der britische Microsoft-Partner Tecman hat bereits für die Erhöhung von 2024 dokumentiert (öffnet in neuem Tab), dass es sich um die dritte Erhöhung in Folge handelte – von 18 auf 19 Prozent im Jahr 2024, nachdem der Satz zuvor bereits von 17 auf 18 Prozent gestiegen war. Der Oktober-2026-Schritt von 20 auf 21 Prozent reiht sich damit in ein jährliches Muster ein, das Tecman selbst als „für das dritte Jahr in Folge" beschreibt.

Eine Einschränkung gehört zur Einordnung dazu: Eine öffentlich zugängliche, direkt von Microsoft stammende Bestätigung dieser beiden Prozentzahlen war zum Zeitpunkt der Recherche nicht auffindbar – die hier zitierten Angaben stammen aus den genannten Partnerberichten, die sich wiederum unabhängig voneinander auf dieselben Zahlen beziehen. Wer die exakten Konditionen für den eigenen Vertrag braucht, sollte sie beim eigenen Microsoft-Partner oder CSP-Reseller gegenprüfen, nicht allein auf Basis dieses Beitrags kalkulieren.

SaaS bleibt außen vor

Beide Preisschritte betreffen laut AGOLUTION und N4 ausschließlich On-Premises-Lizenzen. Die Business-Central-SaaS-Variante – also die Cloud-Version, die Microsoft direkt oder über CSP-Partner monatlich abrechnet – ist von diesen konkreten Anpassungen nicht erfasst. Das ist kein Zufall, sondern Teil einer erkennbaren Linie: Microsoft verschiebt die wirtschaftlichen Anreize kontinuierlich in Richtung Cloud, während On-Premises-Betrieb in kleinen, aber regelmäßigen Schritten teurer wird.

Der größere Rahmen: Dynamics NAV läuft langfristig aus

Die Preisanpassung zum Oktober ist dabei nur der aktuelle Ausschnitt einer längeren Entwicklung, die Microsoft selbst öffentlich kommuniziert hat. In einem Partner-Blog vom Juli 2026 (öffnet in neuem Tab) kündigt Microsoft das Ende des Verkaufs („End of Sale") für Dynamics NAV zum 30. April 2031 an. Ab diesem Datum können Kunden laut Microsoft keine Service Pläne (Enhancement Plan, Advantage Plan) oder Subscription-Lizenzen mehr verlängern, keine zusätzlichen Vollzeitlizenzen für bestehende NAV-On-Premises-Systeme mehr kaufen und auch keine NAV-Nutzung über ein Service Provider License Agreement mehr fortführen.

Microsoft benennt im selben Blog auch, wie schnell der Bestand bereits wandert: Die eigene Migrationsrate aus der NAV-Installationsbasis liegt laut Microsoft derzeit bei 10 bis 14 Prozent jährlich. Wer heute noch auf NAV setzt, hat damit zwar bis 2031 Zeit – gehört aber bereits zur schrumpfenden Minderheit, die den Umstieg noch nicht vollzogen hat.

Flankierend berichtet der Microsoft-Partner Sherweb in seinem Update für September 2026 (öffnet in neuem Tab) von zwei weiteren Verschiebungen im Vertriebskanal: Ab dem 1. Februar 2027 müssen neue Business-Central-On-Premises-Subscriptions ausschließlich über das Cloud-Solution-Provider-Programm abgewickelt werden – die bisherigen Einkaufswege über die Dynamics Price List und PartnerSource Business Center entfallen für Neuverträge zum selben Zeitpunkt. Zum 1. Dezember 2026 sinken laut Sherweb zudem die Partnermargen im On-Premises-Lizenzkanal, während die CSP-Margen unverändert bleiben. Sherwebs eigene Einschätzung dazu: „Taken together, they're a fairly direct signal about where Microsoft wants Dynamics business to sit, and cloud economics are the side that stays stable" – übersetzt: Das wirtschaftliche Umfeld für On-Premises-Betrieb wird gezielt unattraktiver gemacht, während die Cloud-Seite stabil bleibt.

Was Microsoft als Brücke anbietet

Wer den Wechsel in die Cloud ohnehin erwägt, findet im selben Partner-Blog einen konkreten finanziellen Anreiz: die Aktion „Bridge to Cloud 3" (BTC3). Laut Microsoft erhalten qualifizierte NAV- und Business-Central-On-Premises-Kunden dabei 30 Prozent Rabatt auf einen festen Dreijahreszeitraum beim Umstieg auf Business Central Cloud. Der Microsoft-Partner B.i.Team bestätigt in seiner eigenen Einordnung der Oktober-Preisanpassungen (öffnet in neuem Tab) diesen Rabattsatz und ergänzt, dass die vorherige Aktion „Bridge to the Cloud 2" noch 40 Prozent Rabatt geboten hatte – der Anreiz für einen schnellen Wechsel wird also mit jeder Auflage kleiner, nicht größer. Laut B.i.Team läuft BTC3 noch bis zum 31. Dezember 2027.

Zusätzlich nennt Microsoft im Partner-Blog ein Migrationsgutschein-Programm, das einen Teil der Implementierungskosten für Partner abdeckt, die Kunden beim Umstieg unterstützen – Details dazu liegen laut Microsoft im partnerinternen Hub und sind nicht öffentlich einsehbar.

Was das für die eigene Planung bedeutet

Aus den vorliegenden Quellen lässt sich eine nüchterne Reihenfolge ableiten, unabhängig davon, ob der Umstieg in die Cloud ohnehin geplant ist oder nicht:

  1. Vertragsdaten prüfen, nicht schätzen. Welchen Listenpreis zahlen Sie heute, wann liegt Ihr nächstes Enhancement-Plan-Renewal, und greift die Preisanpassung dort bereits oder erst im Folgejahr? Da der neue Enhancement-Plan-Satz laut N4 erst beim nächsten Renewal ab dem 6. Oktober 2026 greift, kann die tatsächliche Kostenwirkung für Ihren Betrieb noch bis zu zwölf Monate entfernt liegen.
  2. Die Euro-Umrechnung nicht übersehen. Weil die Anpassung des Dollar-Euro-Faktors die US-Preiserhöhung laut AGOLUTION weitgehend kompensiert, lohnt sich ein Blick auf die tatsächliche Rechnung in Euro – nicht auf die Prozentzahl, die in englischsprachigen Partnerblogs kursiert.
  3. Die 2031-Frist für NAV als Planungshorizont nehmen, nicht als Dringlichkeit. Fünf Jahre sind genug Zeit für einen geordneten Umstieg, aber auch genug Zeit, das Thema auf die lange Bank zu schieben, bis die Entscheidung unter Zeitdruck getroffen werden muss.
  4. Bridge-to-Cloud-Rabatte mit Verfallsdatum einkalkulieren, falls ein Wechsel in die Cloud ohnehin diskutiert wird. Der sinkende Rabattsatz von Auflage zu Auflage – 40 auf 30 Prozent – deutet darauf hin, dass diese Förderschiene nicht beliebig lange in der aktuellen Höhe bestehen bleibt.
  5. Partnermargen-Verschiebungen im Blick behalten, wenn Sie über einen Reseller oder Systemintegrator beziehen: Sherweb zufolge sinken die On-Premises-Margen zum Dezember 2026, was sich mittelbar auch auf die Beratungsleistung auswirken kann, die Ihr Partner für den gleichen Preis anbietet.

Eine Preiserhöhung von 10 Prozent auf eine Teilkomponente der IT-Kosten ist für sich genommen kein Grund zur Panik. Zusammen mit der Enhancement-Plan-Steigerung, der angekündigten NAV-Abkündigung 2031, den sinkenden On-Premises-Margen und dem schrumpfenden Cloud-Rabatt zeichnet sich aber ein klares Muster ab, das sich nicht durch Zuwarten auflöst. Wer seine ERP-Strategie zuletzt vor mehr als einem Jahr geprüft hat, findet in diesen Terminen einen naheliegenden Anlass, das nachzuholen – unabhängig davon, ob die Antwort am Ende Cloud-Migration oder bewusster Verbleib auf der aktuellen Lizenz heißt.

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