Digitalisierungsförderung 2026: Was nach go-digital und ZIM noch gilt

6 Min. LesezeitKIyara

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Wer im Sommer 2026 nach einem Zuschuss für ein Digitalisierungs- oder KI-Projekt sucht, stößt zuerst auf die Programme, die er noch aus den letzten Jahren kennt: go-digital, Digital Jetzt, ZIM. Alle drei stehen in unzähligen Ratgebern, alle drei tauchen in Google-Suchen ganz oben auf. Das Problem: Zwei davon nehmen keine neuen Anträge mehr an, und beim dritten ist die Antragstellung seit Anfang Juli 2026 ausgesetzt. Wer Zeit in einen Antrag investiert, der nie geprüft wird, verliert genau die Wochen, die ein Digitalisierungsprojekt ohnehin knapp bemisst.

go-digital: seit 1. Januar 2025 vorbei

Das Beratungsförderprogramm go-digital des Bundeswirtschaftsministeriums ist zum Jahreswechsel 2024/2025 ausgelaufen. Laut der offiziellen Meldung von Innovation, Beratung, Förderung – dem Informationsportal des BAFA (öffnet in neuem Tab) können seit dem 1. Januar 2025 keine Förderanträge mehr gestellt werden. Nur Projekte, die noch 2024 bewilligt wurden, durften 2025 abgerechnet werden. Für alle anderen gilt: Das Programm ist außer Kraft.

Digital Jetzt: ebenfalls beendet, aber ausgewertet

Ähnlich beim Investitionszuschussprogramm Digital Jetzt: Es war von vornherein bis Ende 2023 befristet und wurde nicht verlängert. Was das Programm über die Jahre bewirkt hat, hat das Bundeswirtschaftsministerium inzwischen aufgearbeitet – im Juni 2026 veröffentlichte die Begleitforschung Mittelstand-Digital einen Zwischenbericht zur Evaluation von Digital Jetzt (öffnet in neuem Tab), der dem Programm über den gesamten Förderzeitraum "eine hohe Maßnahmenwirtschaftlichkeit und Hebelwirkung" attestiert. Für die Antragstellung heute ist das nur noch von historischem Interesse: Ein Nachfolgeprogramm mit gleichem Namen und gleicher Ausrichtung gibt es nicht.

ZIM: seit 7. Juli 2026 befristeter Antragsstopp

Anders liegt der Fall beim Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM), dem bislang wichtigsten Zuschussprogramm für technologisch anspruchsvolle Entwicklungsprojekte im Mittelstand. Das ZIM fördert laut der ZIM-Programmseite (öffnet in neuem Tab) Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die zu neuen Produkten, technischen Dienstleistungen oder besseren Produktionsverfahren führen – als Einzelprojekt, als Kooperation mit einer Forschungseinrichtung oder als Teil eines Innovationsnetzwerks. Anspruchsvoller Softwareentwicklung mit echtem technologischen Innovationsgehalt stand das Programm damit grundsätzlich offen, solange auch gute Marktchancen erkennbar waren.

Das ZIM ist nicht beendet – aber laut der offiziellen ZIM-Meldung vom 7. Juli 2026 (öffnet in neuem Tab) können seit diesem Datum, 12:00 Uhr, "vorübergehend keine Anträge für Zuschüsse im ZIM angenommen werden". Das gilt für alle Projektformen und für Projektskizzen gleichermaßen. Ausgenommen sind nur Anträge mit internationalen Partnern im Rahmen offener bilateraler und multilateraler Ausschreibungen. Als Grund nennt die Meldung die seit dem vierten Quartal 2025 erheblich gestiegene Nachfrage nach ZIM-Förderung. Bereits eingereichte Anträge werden noch bearbeitet, sofern sie die Förderbedingungen erfüllen und Mittel verfügbar sind; auf laufende, bereits bewilligte Vorhaben hat der Stopp keine Auswirkung. Wann die Antragstellung wieder öffnet, benennt die Meldung nicht.

Für ein Unternehmen, das gerade ein Projekt zur Software- oder KI-Entwicklung plant, heißt das konkret: Ein neuer ZIM-Antrag wird derzeit nicht angenommen und kann sich deshalb auch nicht in die Projektplanung als sichere Finanzierungsquelle einrechnen lassen.

Wie groß die Lücke ist, die der Stopp reißt, zeigt die bisherige Reichweite des Programms: Das ZIM hat laut einer Recherche von Markt und Mittelstand (öffnet in neuem Tab) seit seinem Start mehr als 80.000 Unternehmen unterstützt und galt gerade für kleine Firmen ohne eigene Forschungsabteilung als der wichtigste Zugang zu Forschungsförderung. Als Grund für den Stopp nennt das BMWE laut demselben Bericht die ausgeschöpften Haushaltsmittel für 2026 – das Ministerium wolle verhindern, dass mehr Förderzusagen unterschrieben werden, als am Ende bezahlt werden können. Der Bericht zitiert außerdem Kritik von Wirtschaftsverbänden und von Fraunhofer-Präsident Holger Hanselka, der den Antragsstopp als "ein bedenkliches Signal für den Innovationsstandort Deutschland" bezeichnet. Eine Wiederaufnahme der Antragstellung ist laut Markt und Mittelstand vom Bundeshaushalt 2027 abhängig; mehrere von der Redaktion zitierte Stellen nennen dafür frühestens Anfang 2027 als Zielmarke. Ein festes Datum nennt weder das BMWE noch die ZIM-Meldung selbst.

Praktisch bedeutet das: Wer jetzt eine Projektskizze für das ZIM in der Schublade hat, kann sie nicht einreichen und muss abwägen, ob sich das Vorhaben bis in den Jahreswechsel 2026/2027 verschieben lässt – oder ob eine andere Finanzierung nötig ist, um nicht monatelang zu warten.

Was stattdessen noch offen ist

Zwei Wege bleiben, ohne dass Vinspire dafür Steuer- oder Förderberatung leistet – das gehört in die Hände von Steuerberatung oder spezialisierten Förderberatern:

Der KfW-Förderkredit Digitalisierung läuft unverändert weiter. Laut der KfW-Programmseite (öffnet in neuem Tab) fördert der ERP-Förderkredit Digitalisierung (Kredit-Nr. 511/512) in drei Stufen: Stufe 1 (Basisdigitalisierung) deckt laut KfW etwa den Erwerb neuer Hardware, Standardsoftware und die Migration auf Cloud-Technologie ab und richtet sich an Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten und höchstens 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Stufe 2 (LevelUp-Digitalisierung) fördert laut KfW Maßnahmen der digitalen Transformation wie die Einführung von ERP- oder CRM-Systemen, digitale Vernetzung im Betrieb oder umfassende IT-Sicherheitskonzepte. Stufe 3 (HighEnd-Digitalisierung) schließlich zielt laut KfW auf den Einsatz von Big-Data-Anwendungen und die Integration von Künstlicher Intelligenz in Wertschöpfungsbereiche des Unternehmens. Der Kreditbetrag reicht laut KfW bis zu 25 Millionen Euro in den oberen Stufen, ergänzend ist laut derselben Quelle ein Zuschuss von bis zu 5 Prozent auf den ausgezahlten Kreditbetrag möglich, maximal 200.000 Euro. Anders als bei go-digital oder ZIM handelt es sich hier primär um einen zinsvergünstigten Kredit mit Zuschusskomponente, nicht um einen reinen Zuschuss – beantragt wird er nicht direkt bei der KfW, sondern über die Hausbank als Finanzierungspartner.

Die Mittelstand-Digital Zentren bieten laut dem Netzwerk Mittelstand-Digital (öffnet in neuem Tab) weiterhin kostenfreie, anbieterneutrale Beratung zu Digitalisierung, KI und Cybersicherheit an – keine Zuschüsse, aber eine Einordnung, die vor der nächsten Investitionsentscheidung hilft, insbesondere wenn unklar ist, welches Landesprogramm oder welche KfW-Stufe zum eigenen Vorhaben passt.

Was das für die Projektplanung bedeutet

Wer ein Digitalisierungs- oder KI-Projekt mit einer Bundesförderung als festem Baustein kalkuliert, sollte diese Kalkulation aktuell mit Vorsicht behandeln. Zwei der drei bekanntesten Programme sind endgültig geschlossen, das dritte nimmt vorübergehend keine Anträge an – bei unbekanntem Datum der Wiederaufnahme. Praktisch bleiben zwei Optionen: entweder das Vorhaben über den KfW-Förderkredit und die eigene Hausbank finanzieren, oder es zunächst ohne Förderzuschuss kalkulieren und den Zuschuss als möglichen Nachschlag behandeln, falls das ZIM wieder öffnet.

Landesprogramme wie Innovationsgutscheine einzelner Bundesländer laufen unabhängig vom Bund weiter, ändern sich aber je nach Bundesland und Haushaltslage häufig und unterscheiden sich stark in Fördersumme, Quote und Zielgruppe. Verlässliche, aktuelle Auskunft dazu geben nur zwei Stellen: die amtliche Förderdatenbank des jeweiligen Bundeslandes und die Mittelstand-Digital Zentren vor Ort, die genau für diese Einordnung eingerichtet wurden. Eine pauschale Aussage, welches Landesprogramm gerade für welches Vorhaben passt, wäre an dieser Stelle unseriös – dafür ändert sich die Lage zu schnell und zu regional unterschiedlich.

Wichtiger als die Frage, welches Programm gerade noch offen ist, bleibt für die meisten Projekte ohnehin eine andere: Was soll die Digitalisierung oder der KI-Einsatz konkret verbessern, und lässt sich das ohne Förderzusage rechnen? Ein Vorhaben, das nur mit Zuschuss wirtschaftlich ist, steht auf wackligem Fundament – unabhängig davon, ob das ZIM Anfang 2027 wieder öffnet oder nicht. Gerade weil sich die Förderlandschaft 2026 so schnell verändert hat, lohnt sich vor jeder Antragstellung ein aktueller Blick in die jeweilige Programmseite statt in einen älteren Ratgeber – dieser Beitrag selbst ist dafür kein Ersatz, sondern eine Momentaufnahme vom 19. August 2026.

Wenn Sie eine technische Einschätzung brauchen, was ein Vorhaben tatsächlich kostet und was es bringt, sprechen wir gern unverbindlich darüber – unabhängig von der Förderlage.

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