Dokumentenmanagement-System: Was es kostet und wer im Mittelstand anbietet

7 Min. LesezeitKIlian

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Ordner, die nicht auffindbar sind, Rechnungen, die zweimal bezahlt werden, weil niemand weiß, ob sie schon verbucht wurden, und eine Steuerprüfung, bei der die Belege aus drei verschiedenen Systemen zusammengetragen werden müssen: Das ist der Alltag, aus dem die Frage nach einem Dokumentenmanagement-System (DMS) entsteht. Wer sie stellt, will selten eine Definition – sondern wissen, ob sich der Aufwand lohnt, was es kostet und mit wem man darüber spricht.

Wie groß das Problem noch ist

Ganz papierlos ist der deutsche Mittelstand nicht, aber die Richtung stimmt. Laut einer Presseinformation des Digitalverbands Bitkom (öffnet in neuem Tab) zum Digital Office Index 2024 arbeiten 40 Prozent der Unternehmen in Deutschland überwiegend papierlos, 15 Prozent davon vollständig ohne Papier. Umgekehrt gilt aber auch: Bei 38 Prozent der Unternehmen läuft laut derselben Erhebung noch etwa die Hälfte der Büro- und Verwaltungsprozesse auf Papier.

Für die Erhebung hat Bitkom Research 1.103 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt (öffnet in neuem Tab) – repräsentativ für die Gesamtwirtschaft, mit Erhebungszeitraum KW 16 bis KW 23 2024. Wie ChannelPartner in seiner Auswertung derselben Studie berichtet (öffnet in neuem Tab), setzen inzwischen 84 Prozent der Unternehmen mindestens eine Anwendung für Enterprise Content Management ein – ein deutlicher Zuwachs gegenüber 76 Prozent im Jahr 2022. Ein DMS ist damit für die meisten Unternehmen längst keine Ausnahmeentscheidung mehr, sondern der Nachvollzug eines Schritts, den ein Großteil der Wettbewerber schon gegangen ist.

Was ein DMS im Kern lösen soll

Ein Dokumentenmanagement-System ersetzt den Aktenordner durch eine zentrale, durchsuchbare Ablage mit Rechten, Versionen und Protokollen. Der eigentliche Nutzen zeigt sich an drei Stellen: Dokumente sind in Sekunden auffindbar statt in Ordnern versteckt, Freigaben laufen als Workflow statt per Unterschriftenmappe, und jede Änderung ist nachvollziehbar dokumentiert. Für die Auswahl zählen laut dem anbieterneutralen DMS-Vergleich von find-your-software.de (öffnet in neuem Tab) vor allem sechs Kriterien: GoBD-Nachweis und Revisionssicherheit, das Betriebsmodell (Cloud, On-Premise oder hybrid), die Integrationstiefe in ERP und Microsoft 365, die Automatisierung der Rechnungsverarbeitung, der KI-Anteil bei Klassifikation und Suche sowie Preis und Betreuung. Wer diese sechs vor der ersten Anbieter-Demo gewichtet, vergleicht am Ende Angebote statt Werbeversprechen.

Was ein DMS kostet

Die Kosten hängen stark vom Betriebsmodell ab. Laut dem genannten Vergleich von find-your-software.de, der sich auf Zahlen von ECMGUIDE aus 2026 stützt, beginnen schlanke Cloud-Einstiegspakete bei etwa 10 Euro pro Nutzer und Monat; leistungsfähigere Cloud-Systeme mit Workflows und Rechnungsverarbeitung liegen für den Mittelstand im Bereich von 27 bis 55 Euro pro Nutzer und Monat. Hosting, Wartung und Updates sind bei Cloud-Lösungen im Preis enthalten.

On-Premise-Systeme verschieben die Kostenstruktur: Statt einer laufenden Miete steht eine höhere Einmalinvestition für Lizenzen, eigene Server und individuelle Einrichtung, dazu kommen Wartung, Sicherheitsupdates und Systempflege als laufender interner Aufwand. Das lohnt sich vor allem dort, wo Daten zwingend im eigenen Haus bleiben müssen oder eine passende IT-Infrastruktur schon vorhanden ist – für die meisten mittelständischen Unternehmen ist laut demselben Vergleich die Cloud-Variante der pragmatischere Einstieg, weil Kosten und Betrieb planbarer bleiben. In jedem Fall gilt: Zu den Lizenzkosten kommen Einführung, Integration, Migration der Altbestände und Schulung – erst die Summe über mehrere Jahre zeigt den tatsächlichen Preis einer Entscheidung.

Welche Anbieter zur Auswahl stehen

Der Markt ist breit und wenig konsolidiert. Der Vergleich von find-your-software.de ordnet acht bekannte Anbieter nach Herkunft, GoBD-Nachweis, Betriebsmodell und Zielgruppe – alphabetisch, ohne Rangfolge:

  • d.velop (Gescher, seit 1992): GoBD-Nachweis nach eigenen Angaben inkl. IDW PS 880, starke Integration in Microsoft 365, Zielgruppe Mittelstand im Microsoft-Umfeld.
  • DocuWare (Germering, seit 1988): geprüfter GoBD-Nachweis (IDW PS 880, ISO 27001), Schwerpunkt Rechnungsverarbeitung und Workflows, auch für international tätige Mittelständler.
  • docuvita (Deutschland): geprüft nach TÜV-IT und VOI, native Schnittstellen unter anderem zu myfactory und SelectLine – interessant bei bestehender ERP-Bindung.
  • ecoDMS (Aachen): revisionssicher bei entsprechender Konfiguration, vorwiegend On-Premise/NAS, günstiger Einstieg für kleine Betriebe.
  • ELO (Stuttgart, seit 1998): Editionen vom Einstieg bis Enterprise, GoBD-Nachweis nach eigenen Angaben, ISO 27001.
  • enaio von Optimal Systems (Berlin, über 30 Jahre): revisionssicher mit Serverstandort Deutschland, modulares ECM für Mittelstand und Konzernbereiche.
  • Microsoft SharePoint: Teil von Microsoft 365, aber ohne Ergänzung kein vollwertiges DMS – für eine GoBD-konforme, revisionssichere Archivierung fehlen in der Standardkonfiguration unveränderbare Sperren, automatisierte Löschfristen und lückenlose Audit-Trails.
  • Paperless-ngx: Open Source, kostenlos, aber nur mit eigener Konfiguration GoBD-taugend – geeignet für technisch versierte Kleinbetriebe.

Der Vergleich weist ausdrücklich darauf hin, dass der Markt breiter ist als diese Auswahl; weitere Anbieter sind unter anderem M-Files, agorum, windream und easy. Bewährt hat sich laut demselben Vergleich eine Shortlist von zwei bis drei Anbietern, die dann mit echten Dokumenten aus dem eigenen Alltag in strukturierten Demos getestet werden – das zeigt mehr als jede Funktionsliste, wie gut ein System zu den eigenen Prozessen passt.

Die gesetzliche Seite: GoBD und E-Rechnung

Ein DMS ist für viele Unternehmen keine reine Komfortentscheidung, sondern hängt an einer Aufbewahrungspflicht, die unabhängig von Größe oder Rechtsform gilt. Nach den Grundsätzen zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form (GoBD) (öffnet in neuem Tab) müssen laut IHK München Rechnungen, Bücher und Aufzeichnungen zehn Jahre, Handels- und Geschäftsbriefe sechs Jahre aufbewahrt werden – digitale Unterlagen dabei grundsätzlich im Originalformat. Wer diese Grundsätze verletzt, riskiert laut IHK München, dass die Finanzverwaltung die Buchführung verwirft und die Besteuerungsgrundlagen schätzt.

Zur GoBD gehört außerdem die Pflicht zu einer Verfahrensdokumentation für jedes IT-System, das zur Buchführung genutzt wird: Sie muss nachvollziehbar beschreiben, wie digitale Dokumente erfasst, geprüft und archiviert werden, und so lange aufbewahrt werden wie die zugehörigen Unterlagen selbst. Das BMF-Schreiben vom 11. März 2024 (öffnet in neuem Tab) hat die GoBD zudem an die E-Rechnungspflicht angepasst: Seit der Ergänzung ist die E-Rechnung ausdrücklich in den Grundsätzen verankert, und die Aufbewahrung des strukturierten XML-Teils genügt grundsätzlich, ohne dass zusätzlich ein menschenlesbares PDF archiviert werden muss, sofern dieses keine steuerlich relevanten Zusatzinformationen enthält. Wie die konkreten Übergangsfristen für die E-Rechnungspflicht selbst aussehen, haben wir bereits in einem eigenen Beitrag zur E-Rechnungspflicht 2025 bis 2028 eingeordnet.

Für die DMS-Auswahl heißt das konkret: Ein System, das GoBD-Konformität nur behauptet, aber kein Testat wie IDW PS 880 oder eine Prüfung durch TÜV-IT vorlegen kann, verschiebt das Risiko einer verworfenen Buchführung auf das eigene Unternehmen zurück – unabhängig davon, wie gut die Software sich sonst bedienen lässt.

Woran Sie einen tauglichen Partner erkennen

Aus den bisherigen Punkten lässt sich eine kurze Prüfliste für Gespräche mit Anbietern ableiten:

  • Nachweis statt Behauptung: Ein unabhängiges Testat (IDW PS 880, TÜV-IT, ISO 27001) für Revisionssicherheit, nicht nur eine Selbstauskunft.
  • Betriebsmodell zur eigenen IT passend: Cloud, wenn Planbarkeit und schneller Start zählen; On-Premise oder Hybrid, wenn Daten zwingend im eigenen Haus bleiben müssen.
  • Integration konkret geprüft, nicht nur zugesichert: Anbindung an das bestehende ERP, an DATEV oder Microsoft 365 sollte in einer Demo mit echten Dokumenten getestet werden, nicht nur auf der Feature-Liste stehen.
  • Gesamtkosten über mehrere Jahre, nicht nur der Einstiegspreis: Einführung, Migration und Schulung gehören in die Kalkulation.
  • Verfahrensdokumentation als Teil des Angebots, nicht als nachträgliche Zusatzaufgabe für die eigene IT.

Fazit

Die Frage ist selten, ob ein DMS sich lohnt – bei 84 Prozent Marktdurchdringung laut Bitkom ist das für die meisten Unternehmen bereits beantwortet. Die eigentliche Arbeit liegt darin, die sechs Auswahlkriterien für die eigene Situation zu gewichten, zwei bis drei Anbieter mit echten Dokumenten zu testen und die GoBD-Anforderungen nicht der Software allein zu überlassen. Wenn Sie diese Auswahl nicht allein durchspielen möchten: Wir ordnen mit Ihnen in einem ersten, unverbindlichen Gespräch ein, welches Betriebsmodell zu Ihrer IT passt und welche Integration in Ihr ERP tatsächlich trägt – bevor die erste Anbieter-Demo terminiert wird.

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