Projektmanagement-Software: Kosten, Mitbestimmung und Anbieterwahl
Die Excel-Tabelle mit den Projektterminen lebt in den meisten mittelständischen Unternehmen länger, als es irgendjemand eingeplant hat. Sie wächst mit jedem neuen Projekt um eine Registerkarte, wird per E-Mail-Anhang zwischen drei Personen hin- und hergeschickt, und irgendwann weiß niemand mehr, welche Version die aktuelle ist. Der Umstieg auf eine dedizierte Projektmanagement-Software klingt dann nach der naheliegenden Lösung – ist aber seltener der Normalfall, als man vermuten würde.
Dieser Beitrag beantwortet drei Fragen: Wie verbreitet ist Projektmanagement-Software tatsächlich, was kostet sie realistisch, und welche rechtliche Hürde übersehen viele Unternehmen, bevor sie overhaupt bei der Anbieterwahl ankommen.
Wie viele Unternehmen arbeiten wirklich mit PM-Software?
Weniger, als der Software-Markt vermuten lässt. Laut The State of Project Management Report 2026 von Wellingtone (öffnet in neuem Tab), einer jährlichen Befragung hunderter Projekt- und PMO-Fachleute überwiegend aus Großbritannien, nutzen nur 23 Prozent der Organisationen eine dedizierte PPM- oder Ressourcenmanagement-Software. Gleichzeitig geben 54 Prozent an, keinen Zugriff auf Echtzeit-Kennzahlen zu ihren Projekten zu haben, und 36 Prozent verbringen laut demselben Report weniger als vier Stunden im Monat mit dem manuellen Zusammenstellen von Projektberichten – ein Hinweis darauf, wie viel Arbeitszeit in Tabellenkalkulationen statt in die eigentliche Projektsteuerung fließt.
Noch deutlicher wird die Lücke zwischen Anspruch und Werkzeug bei der Planungspraxis selbst: Laut der von Workamajig zusammengefassten Wellingtone-Erhebung (öffnet in neuem Tab) bauen 59 Prozent der Organisationen ihre Projektpläne nach wie vor in Microsoft Excel, nur rund 13 Prozent nutzen dafür ein spezialisiertes Planungstool. Eine belastbare, aktuelle Zahl speziell für den deutschen Mittelstand liegt nicht vor – die Bitkom-Studie "Digitalisierung der Wirtschaft 2026" etwa misst den KI-Einsatz der Unternehmen (öffnet in neuem Tab) (41 Prozent nutzen KI, Stand 2026), trifft aber keine Aussage zu Projektmanagement-Tools im Speziellen. Für die hier zitierten Zahlen gilt deshalb: Sie stammen aus einer international, nicht spezifisch deutsch ausgerichteten Erhebung – die Tendenz, dass Tabellenkalkulationen trotz verfügbarer Spezialsoftware dominieren, deckt sich aber mit dem, was sich in Gesprächen mit mittelständischen Unternehmen in Deutschland beobachten lässt.
Die praktische Konsequenz: Wer heute noch mit Excel-Listen plant, ist in guter Gesellschaft – aber auch in der Gruppe, die laut Wellingtone-Zahlen überdurchschnittlich viel Zeit mit manueller Berichtserstellung statt mit eigentlicher Projektarbeit verbringt.
Was Projektmanagement-Software tatsächlich kostet
Die Preismodelle unterscheiden sich stark danach, ob ein Anbieter auf kleine Teams, Agenturen oder große Organisationen zielt.
awork, ein deutscher Anbieter mit Sitz in Hamburg, staffelt laut eigener Preisseite (öffnet in neuem Tab) drei Tarife pro Nutzer und Monat bei jährlicher Abrechnung: Basic für 5 Euro deckt unbegrenzte Projekte, Zeiterfassung und einen persönlichen Planer ab, ist aber für Teams von 1 bis 5 Nutzern gedacht. Standard kostet 12 Euro und ergänzt Workload-Übersicht, Team-Struktur und einfache Automatisierungen, empfohlen für 2 bis 20 Nutzer. Professional liegt bei 22 Euro und fügt unter anderem unbegrenzte eigene Felder, private Projekte und Telefon-Support hinzu, ausgelegt auf 5 bis 100 Nutzer. Für Teams ab 100 Nutzern gibt es ein individuelles Enterprise-Angebot mit SSO/SCIM-Integration.
factro, ein Anbieter aus Deutschland, trennt laut eigener Preisseite (öffnet in neuem Tab) eine kostenlose Basic-Variante für bis zu drei Nutzer (fünf Projekte inklusive) von zwei kostenpflichtigen Stufen: Business kostet 19,99 Euro pro Nutzer und Monat ab drei Nutzern und ergänzt unter anderem Gantt-Diagramme mit Abhängigkeiten sowie die Integration in MS Teams, SharePoint und Outlook. Professional liegt bei 29,99 Euro und fügt unter anderem Zeiterfassung, Ressourcenplanung, Änderungshistorie sowie SSO/SAML hinzu. Eine separate Government-Variante richtet sich an Behörden und Kommunen.
monday.com, ein internationaler Anbieter, berechnet laut eigener Preisseite (öffnet in neuem Tab) bei zehn Nutzern und jährlicher Abrechnung 9 US-Dollar pro Sitz und Monat im Basic-Tarif (3 Boards, grundlegende KI-Funktionen), 12 US-Dollar im Standard-Tarif (unter anderem Automatisierungen, Zeiterfassung, Kalenderansicht) und 19 US-Dollar im meistgenutzten Pro-Tarif (unter anderem 25.000 Automatisierungs- und Integrationsaktionen pro Monat, private Boards). Enterprise-Preise werden individuell verhandelt. Die Preise gelten in US-Dollar; für Teams in der EU kommt je nach Abrechnungsmodell die Umrechnung in Euro hinzu.
Die Bandbreite zeigt: Wer nur eine schlanke Aufgabenliste für ein kleines Team braucht, zahlt mit awork Basic oder factro Basic kaum etwas. Sobald Ressourcenplanung, SSO oder umfangreiche Automatisierung gefragt sind, liegen die Kosten schnell bei 20 bis 30 Euro pro Nutzer und Monat – bei zehn Nutzern also mehrere hundert Euro monatlich, bevor überhaupt ein Enterprise-Tarif ins Spiel kommt.
Die Mitbestimmungspflicht, die vor der Softwareauswahl steht
Bevor überhaupt ein Anbieter ausgewählt wird, lohnt sich ein Blick auf eine rechtliche Hürde, die im Projektmanagement-Kontext regelmäßig übersehen wird: das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG (öffnet in neuem Tab). Die Vorschrift verlangt die Beteiligung des Betriebsrats bei der "Einführung und Anwendung von technischen Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, das Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen".
Entscheidend ist dabei nicht, ob die Geschäftsführung eine Überwachung tatsächlich beabsichtigt. Laut der Einordnung von Hammer Rechtsanwälte (öffnet in neuem Tab) genügt bereits die objektive Eignung eines Systems, Rückschlüsse auf Verhalten oder Leistung einzelner Beschäftigter zuzulassen – etwa über Aktivitätenprotokolle, Bearbeitungszeiten oder automatisch erzeugte Kennzahlen. Projektmanagement-Software erfasst praktisch immer solche Daten: Wer eine Aufgabe wann als erledigt markiert, wie lange eine Karte in einer Kanban-Spalte verweilt, wie viele Tasks eine Person pro Woche abschließt. Laut der Darstellung von Luther Rechtsanwälte (öffnet in neuem Tab) hat das Bundesarbeitsgericht den Begriff der "Bestimmung zur Überwachung" so weit ausgelegt, dass in der Praxis selbst Microsoft Excel oder ein Outlook-Gruppenkalender als mitbestimmungspflichtige technische Einrichtung gelten können.
Für die Praxis bedeutet das: Die Einführung einer neuen Projektmanagement-Software ist in Betrieben mit Betriebsrat kein rein betriebsinterner IT-Beschluss, sondern erfordert dessen Zustimmung – im Streitfall entscheidet die Einigungsstelle. Wer diesen Schritt überspringt und das Tool einfach ausrollt, riskiert nicht nur Verzögerungen durch nachträglichen Widerspruch, sondern auch, dass eine bereits eingeführte Lösung wieder zurückgebaut werden muss. Der sinnvolle Weg ist deshalb, den Betriebsrat vor der Anbieterauswahl einzubinden und die Nutzung – etwa welche Auswertungen tatsächlich erstellt und wie personenbezogene Leistungsdaten behandelt werden – in einer Betriebsvereinbarung zu regeln, statt diese Fragen erst nach dem Rollout zu klären.
Woran Sie einen tauglichen Anbieter erkennen
Neben Preis und Mitbestimmungspflicht lohnt sich im Auswahlprozess der Blick auf folgende Punkte:
Serverstandort und Auftragsverarbeitung vor Vertragsschluss klären. factro hostet laut eigener Sicherheitsseite (öffnet in neuem Tab) ausschließlich in zertifizierten Rechenzentren in Deutschland, konkret im Interxion Data Center Campus Frankfurt/Main, und bietet einen Auftragsverarbeitungsvertrag gemäß Art. 28 DSGVO an. monday.com erlaubt es Kunden laut Einordnung von Tryve (öffnet in neuem Tab), ein EU-Rechenzentrum als Datenregion festzulegen, und stellt ebenfalls ein Data Processing Addendum bereit – der Speicherort ist dabei aber nur ein Baustein der Konformität, Zugriffskontrollen und Aufbewahrungsfristen müssen laut derselben Quelle zusätzlich bewusst konfiguriert werden. Fragen Sie im Anbietergespräch konkret nach dem Rechenzentrumsstandort und lassen Sie sich den AVV vor Vertragsabschluss zeigen, nicht erst danach.
Tatsächlicher Funktionsbedarf statt Einstiegspreis. Wie das Beispiel awork und factro zeigt, verdoppelt bis verdreifacht sich der Preis pro Nutzer zwischen Einstiegs- und mittlerer Stufe, sobald Ressourcenplanung, umfangreiche Automatisierung oder SSO benötigt werden. Klären Sie vor dem Angebotsvergleich, welche dieser Funktionen Ihr Team tatsächlich braucht, statt sich am günstigsten beworbenen Tarif zu orientieren.
Mitbestimmungsfähige Auswertungen statt versteckter Leistungskontrolle. Prüfen Sie im Demo-Termin konkret, welche personenbezogenen Auswertungen das Tool standardmäßig erstellt – etwa individuelle Durchlaufzeiten oder Aktivitätsprotokolle – und ob sich diese Funktionen granular deaktivieren oder auf aggregierte, nicht personenbezogene Ansichten beschränken lassen. Das erleichtert die Verhandlung mit dem Betriebsrat erheblich.
Exportierbarkeit und Vertragslaufzeit. Da sich Teamgröße und Anforderungen im Mittelstand häufig ändern, lohnt sich ein Blick auf Kündigungsfristen und die Möglichkeit, Projektdaten in einem gängigen Format zu exportieren – unabhängig davon, ob der Anbieter das freiwillig anbietet oder es erst auf Nachfrage einrichtet.
Fazit: Die Lücke liegt nicht im Angebot, sondern im Rollout
Es mangelt nicht an Projektmanagement-Software – der Markt reicht von schlanken deutschen Anbietern wie awork und factro bis zu internationalen Plattformen wie monday.com. Die eigentliche Hürde liegt woanders: zum einen in der Trägheit bestehender Excel-Prozesse, die laut den Wellingtone-Zahlen auch international noch dominieren, zum anderen in der oft übersehenen Mitbestimmungspflicht, die eine Einführung ohne Betriebsrat rechtlich angreifbar macht.
Wenn Sie an diesem Punkt stehen – zwischen mehreren Anbietern unsicher sind oder klären wollen, wie sich eine Einführung mitbestimmungskonform und ohne Verzögerung umsetzen lässt: Sprechen Sie mit uns. Wir schauen uns Ihre aktuelle Projektsteuerung und Ihre betrieblichen Rahmenbedingungen an, bevor wir eine Empfehlung aussprechen.
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