Excel-Formel =COPILOT() wird abgeschaltet: Was betroffene Tabellen jetzt brauchen
Wer in den letzten zwölf Monaten in Excel eine Zelle mit =COPILOT(...) befüllt hat, sollte diese Woche einen Blick in die betroffenen Arbeitsmappen werfen. Auf der offiziellen Support-Referenzseite zur COPILOT-Funktion (öffnet in neuem Tab) hat Microsoft einen Hinweis platziert: „Starting September 14, 2026, the COPILOT function will no longer be available.“ Ab diesem Datum liefert die Formel keine Ergebnisse mehr – nicht als Fehlermeldung mit Vorlauf, sondern als abgeschaltete Funktion.
Für die meisten Unternehmen betrifft das nichts, weil die Funktion nur Beta- und Frontier-Nutzern mit Microsoft-365-Copilot-Lizenz zur Verfügung stand. Wer sie aber testweise eingesetzt hat, um Kundenfeedback zu klassifizieren, Texte zusammenzufassen oder Listen zu generieren, braucht jetzt einen Plan – die Formel verschwindet, aber die Tabelle, die auf ihr aufbaut, bleibt.
Was abgeschaltet wird – und was nicht
Wichtig ist die Unterscheidung, die auch Microsoft selbst zieht: Es verschwindet nur die Formel =COPILOT(), mit der sich KI-Aufrufe direkt in eine Zelle schreiben ließen. Die KI-Funktionen von Copilot in Excel insgesamt bleiben bestehen – über das Seitenpanel, in dem man mit natürlicher Sprache Formeln erstellen, Daten bereinigen oder Diagramme erzeugen lassen kann. Das bestätigt auch der Microsoft 365 Insider Blog (öffnet in neuem Tab), auf dem die Funktion im August 2025 als Beta-Feature vorgestellt wurde und der seit August 2026 denselben Abschaltungshinweis trägt.
Die Formel selbst funktionierte so: =COPILOT("Klassifiziere dieses Feedback", D4:D18) ließ sich wie eine normale Excel-Funktion in eine Zelle schreiben, samt Zellbezug als Kontext, und lieferte KI-generierte Ergebnisse zurück, die sich bei Datenänderungen automatisch neu berechneten. Laut der Support-Seite lag das genutzte Modell bei gpt-4.1-mini (Stand 2025-04-14), und die Funktion war auf 100 Berechnungen pro 10 Minuten begrenzt und in als vertraulich eingestuften Arbeitsmappen ohnehin blockiert.
Genau diese Eigenschaft – dieselbe Formel, dasselbe Eingabefeld, aber im Zeitverlauf ein potenziell anderes Ergebnis – benennt Microsoft selbst als Grund, warum die Funktion nicht für alle Einsatzzwecke taugte: „The COPILOT function's model will evolve and improve in the future and formula results may change over time, even with the same arguments“, heißt es auf der Support-Seite. Für eine Umsatzprognose oder eine Bestandsaufnahme, die morgen genau dasselbe Ergebnis liefern soll wie heute, war das schon immer die falsche Wahl – die Abschaltung macht diese Einschränkung nur endgültig.
Wer betroffen ist
Drei Voraussetzungen mussten laut dem Microsoft 365 Insider Blog (öffnet in neuem Tab) erfüllt sein, damit die Funktion überhaupt zur Verfügung stand:
- Eine aktive Microsoft-365-Copilot-Lizenz.
- Teilnahme am Beta- oder Frontier-Programm – die Funktion war nie regulär allgemein verfügbar.
- Excel für Windows ab Version 2509 (Build 19212.20000), Excel für Mac ab Version 16.101, oder Excel für das Web über das Frontier-Programm.
Wer diese Kombination nicht hatte, hat die Formel nie gesehen und muss auch jetzt nichts tun. Für alle anderen gilt: Jede Arbeitsmappe, in der =COPILOT() verwendet wurde, zeigt ab dem 14. September 2026 dort, wo bisher ein Ergebnis stand, einen Fehler oder eine Leerstelle – abhängig davon, ob das Ergebnis vorher in einen festen Wert umgewandelt wurde oder als lebende Formel in der Tabelle steht.
Praktisch betraf das laut Windows Report (öffnet in neuem Tab) vor allem Aufgaben, für die sich die Funktion gut eignete: Textzusammenfassungen, Klassifikation und Web-Recherche direkt aus der Zelle heraus. Von numerischen Berechnungen riet Microsoft ausdrücklich ab, ebenso von der Nutzung für Inhalte, die bereits in der Arbeitsmappe selbst gespeichert waren, oder für Aufgaben mit rechtlichem beziehungsweise Compliance-Bezug – gerade solche Fälle sind es aber, in denen die jetzige Abschaltung am ehesten unangenehm auffällt, weil dort am ehesten weitergerechnet werden musste.
Warum die Formel verschwindet, das Feature aber nicht
Microsoft begründet die Abschaltung laut Windows Report (öffnet in neuem Tab) damit, dass die Funktion redundant geworden sei: Dieselben KI-Fähigkeiten lassen sich inzwischen über das Copilot-Seitenpanel und den sogenannten Dynamic Action Button abrufen, ohne den Umweg über eine Zellformel. Gleichzeitig baut Microsoft die Fähigkeiten des Seitenpanels selbst aus. Laut den Microsoft-365-Copilot-Release-Notes (öffnet in neuem Tab) kamen zwischen dem 11. und 25. August 2026 unter anderem die Möglichkeit hinzu, im Bearbeitungsmodus direkt Python-Code für Datenanalysen ausführen zu lassen – mit denselben Sicherheits- und Ausführungskontrollen wie bisher.
Das bestätigt das Muster, das sich hier zeigt: Microsoft konsolidiert die KI-Funktionen in Excel auf eine einzige, konversationelle Oberfläche und baut parallel eine reine Zellformel-Schnittstelle wieder ab, die erst ein Jahr zuvor eingeführt wurde. Für Anwender bedeutet das nicht weniger KI in Excel, sondern eine andere Bedienung – aus der Formel wird ein Dialog.
Was jetzt zu tun ist
Der naheliegendste erste Schritt: prüfen, welche Arbeitsmappen die Formel überhaupt enthalten. Das lässt sich über die Excel-Suche (Strg+F, „In: Arbeitsmappe“, „Suchen in: Formeln“) mit dem Suchbegriff COPILOT( erledigen. Für jede gefundene Stelle gibt es im Kern zwei Optionen:
Ergebnis einfrieren. Wenn die von der Formel gelieferten Werte nicht mehr aktualisiert werden müssen – etwa eine einmalige Klassifikation von Support-Tickets aus dem letzten Quartal –, reicht es, die Zellen zu markieren, zu kopieren und per „Inhalte einfügen → Werte“ zu einem festen Wert zu machen. Die Formel verschwindet, das Ergebnis bleibt. Genau diesen Weg empfiehlt auch die Support-Seite selbst für Fälle, in denen ein Ergebnis nicht neu berechnet werden soll.
Ergebnis weiter automatisieren. Soll die Tabelle weiterhin bei jeder Änderung neu klassifizieren, zusammenfassen oder generieren, braucht es einen Ersatz. Microsoft selbst verweist Nutzer auf das Copilot-Seitenpanel in Excel, das dieselben Aufgaben konversationell erledigt, aber nicht als Zellformel funktioniert – jede Anfrage läuft über den Chat, nicht über ein automatisch neu berechnendes Feld. Drittanbieter wie GPT for Work (öffnet in neuem Tab) bieten Add-ins mit einer strukturell ähnlichen Formelsyntax an (=GPT(...) statt =COPILOT(...)), die sich laut Anbieterangabe mit einer einfachen Suchen-und-Ersetzen-Operation migrieren lassen. Das ist eine Anbieterlösung und keine Microsoft-Funktion – wer sie einsetzt, bindet sich an einen weiteren externen Dienst mit eigenen Kosten und eigener Datenverarbeitung, was vor einer Entscheidung geprüft gehört.
Die eigentliche Lektion: Zellformel vs. Workflow
Der Vorgang ist ein instruktives Beispiel dafür, wie unterschiedlich stabil verschiedene Ebenen einer Excel-Integration sind. Eine Formel in einer Zelle wirkt vertraut und stabil – genau wie =SUMME() oder =SVERWEIS(). Aber eine Formel, die bei jedem Neuberechnen einen KI-Dienst aufruft, unterliegt der Lebensdauer dieses Dienstes, nicht der Lebensdauer der Kalkulationstabellen-Logik. Wer heute eine geschäftskritische Auswertung auf einer solchen Formel aufbaut, baut sie auf einer Komponente auf, deren Update-Zyklus kürzer sein kann als der eines regulären Software-Releases.
Für Unternehmen, die Tabellenkalkulationen mit KI-Funktionen anreichern wollen, folgt daraus eine pragmatische Regel: Alles, was in Reporting, Controlling oder Kundenkommunikation landet, gehört nicht in eine Formel, die sich unbemerkt ändern oder ganz abgeschaltet werden kann, sondern in einen dokumentierten, versionierten Workflow – etwa eine Automatisierung außerhalb der Tabelle, die die KI-Aufrufe protokolliert und deren Ergebnis nachvollziehbar in die Tabelle zurückschreibt. Das macht die Lösung unabhängiger von der Produktentscheidung eines einzelnen Anbieters und schafft eine Nachvollziehbarkeit, die eine reine Zellformel nicht bietet.
Wer eine solche Automatisierung aufbauen will, ohne bei jedem Feature-Wechsel eines Anbieters neu anzufangen, findet in unserem Beitrag zu KI für Excel und Google Sheets einen Einstieg in die Kombination aus KI-Assistenten und wiederholbaren Skripten.
Checkliste für IT-Verantwortliche
Vier Schritte lassen sich vor dem 14. September 2026 ohne großen Aufwand erledigen:
- Suchen. In jeder Arbeitsmappe, die im Team kursiert, per Strg+F nach
COPILOT(suchen – Formeln durchsuchen lassen, nicht nur Werte. - Einordnen. Für jeden Fund klären, ob das Ergebnis einmalig war (dann einfrieren) oder laufend aktualisiert werden muss (dann Ersatzlösung planen).
- Verantwortliche benennen. Wenn eine Fachabteilung eigenständig mit der Formel gearbeitet hat, ohne dass die IT davon wusste, ist das der eigentliche Befund: Schatten-KI-Nutzung in Tabellen bleibt oft unsichtbar, bis eine Funktion abgeschaltet wird und Ergebnisse plötzlich fehlen.
- Dokumentieren, was ersetzt wird. Wer auf das Copilot-Seitenpanel oder ein Drittanbieter-Add-in umsteigt, sollte festhalten, welche Zellen betroffen waren und wie die neue Lösung funktioniert – damit die nächste Abschaltung nicht erneut überrascht.
Der eigentliche Wert dieser Episode liegt nicht in der einzelnen Formel, sondern in der Erinnerung daran, dass KI-Funktionen innerhalb etablierter Software-Produkte eigene, oft kurze Lebenszyklen haben. Eine Excel-Formel wirkt wie ein stabiles Werkzeug – ist sie aber an einen Cloud-Dienst angebunden, gilt für sie der Update-Rhythmus dieses Dienstes, nicht der von Excel selbst.
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